Gartenzeit | Magazin
01 | 2023
23/28
© Verein NeuDonnerschwee verbindet e.V.

Biotope zwischen Betonbauten

Urban Gardening Ob private Dachbegrünung oder praktischer Stadtgarten – Urban Gardening hat viele Facetten

Urban Gardening ist mehr als nur Balkonien. Urban Gardening ist Lifestyle, politisches Statement, Klima- und Naturschutz, Heimat für Flora und Fauna und letztendlich auch ein optischer Mehrwert für die Stadt. Wo Grau in Grau gegossene Betonwüsten das bunte Stadtbild oft verschleiern, setzen Konzepte des Urban Gardenings kleine Farbkleckse mit ökologischem Inhalt. Holzschild mit Schrift in Gartenbeet.Urban Gardening kann viele ökologische Vorteile haben, Regionalität und Eigenversorgung bringen eine Schonung von Ressourcen und Transportkosten mit sich. Außerdem wird das Stadtbild ästhetisch aufgewertet, die Biodiversität angekurbelt und das Mikroklima verbessert. Wie auch DU deinen Teil dazu beitragen kannst, was die Stadt Oldenburg auf diesem Gebiet macht und ab wann das Urban Gardening politisch wird, erfährst du in diesem Artikel.

Next Level – Städtisches Gärtnern

Das Urban Gardening hat eine lange Tradition. Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es in Städten üblich, Viertel mit eigener Obst- und Gemüseproduktion einzurichten, Vorgänger der traditionellen Schrebergärten. Grund dafür war die geringe Haltbarkeit der Lebensmittel und die langen und langsamen Transportwege. Als Vorreiter des heutigen Urban Gardenings gilt Johann Heinrich von Thünen mit seinem Landnutzungsmodell „Thünensche Ringe“, das den Anbau von Lebensmitteln mit deren Transportfähigkeit vernetzt. Je transortfähiger ein Lebensmittel war, desto weiter entfernt konnte es vom Absatzmarkt angebaut werden. Nachdem das Urban Gardening im Zuge der Haltbarmachung und schnellerer Lieferketten wieder aus dem Fokus geriet, ist die Aufmerksamkeit auf das Thema heute wieder voll da. Ereignisse, wie der Hurrikan Katrina 2005 haben gezeigt: Verderbliche Lebensmittel sind für einen Verkauf innerhalb von drei Tagen ausgerichtet. Kommen solche Naturkatastrophen oder Streiks dazwischen, kommt es in den Städten schnell wieder zu Versorgungsengpässen. Hochbeet Stecksystem aus Holz mit Gemüsebepflanzung.

Heute wird das Urban Gardening noch weiter gefasst. Es beinhaltet alle gartenbaulichen Arbeiten, wie das Hobbygärtnern, bspw. der Anbau von Obst, Kräutern oder Gemüse auf dem Balkon, Dächern oder auf freien städtischen Flächen. Auch die Gemeinschaftsgärten, bei dem mehrere Menschen eine Fläche gemeinsam bewirtschaften zählen dazu. Das Anpflanzen von Blumen, die nicht für den Verzehr geeignet sind, ist eine andere Variante des Gärtnerns in der Stadt. Streng genommen zählt auch der Kräutertopf auf der Fensterbank zum Urban Gardening. Das Urban Gardening ist vom Urban Farming abzugrenzen. Während das Urban Gardening dem rein privaten Verzehr oder Zeitvertreib dient, hat das Urban Farming einen landwirtschaftlichen Charakter.

Dein perfekter Urban Garden

Wenn du dich nach ein bisschen mehr Farbe sehnst, deinen grünen Daumen entdecken möchtest und dir deine eigene kleine grüne Lunge schaffen willst, bisher aber wegen deiner Stadtwohnung immer gedacht hast, dass das nichts wird, gibt es gute Nachrichten: Auch dein Balkon oder deine Terrasse können ein herrliches Biotop werden. Und sicher gibt es auch in deiner Nähe öffentliche Gärten, Gemeinschaftsgärten oder andere Projekte zum Mitmachen. Vertikale Beete oder Hochbeete gelingen gut mit günstigen Europaletten, platzsparende Gewächse, wie Radieschen, Tomaten, Erdbeeren, Spinat, Kartoffeln, Bohnen, Pak Choi, Mangold, Minihimbeeren, Blaubeeren, rankende Kapuzinerkresse, Paprika, Karotten oder auch Pflücksalate eigenen sich perfekt dafür. Auch Äpfel oder Birnen als Säulenobst kann man nehmen. Hier solltest du immer auf die Angaben nach Helligkeit, Feuchtigkeit und auch Abstand zu anderen Pflanzen achten, damit sie gut gedeihen können. Auch vertikale Blumengärten, mit den richtigen Töpfen oder Beetrahmen, sind platzsparend und ein echter Hingucker. Wenn du auf seltene Sorten stehst, die nicht im Supermarkt zu kaufen sind, dann kannst du es auch mal mit Hirschhornwegerich, Winterpostelein, Gartenmelde, Haferwurz, Sauerampfer, Speisechrysanthemen oder Schnittknoblauch versuchen.

- Anzeige -

„Das Interesse in Oldenburg ist immens gestiegen“

„Das Balkongärtnern erlebt in den letzten Jahren in Oldenburg einen echten Aufwind“, erzählt Judith Busch, Koordinatorin beim Oldenburger Ernährungsrat. Besonders der Trend, weg von reinen Zierpflanzen, hin zu Nutzpflanzen auf Balkon und Fensterbank sei deutlich zu erkennen. Auch beim Thema Gemeinschaftsgarten gäbe es Bewegung: „In den letzten zwei Jahren bekommen wir mehr und mehr Anrufe von Menschen, die sich nach einer Nutzung brachliegender öffentlicher Flächen zwecks Urban Gardening erkundigen“, so Busch weiter. Die Initiative www.urbangardeningberatung.de unterstützt Urban Gardening Neugründungen und bestehende Gemeinschaftsgärten, Privatgärten und Initiativen und steht Ihnen beratend zur Seite.

Quartiersgarten Donnernessel nimmt Form an

Im Oldenburger Quartier Neu Donnerschwee entsteht auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern neben dem städtischen Spielplatz der Quartiersgarten Donnernessel, der von Anwohnern des Quartiers gestaltet und genutzt werden kann. Er ist das bisher größte Urban Gardening Projekt der Stadt Oldenburg. Nachhaltig, sozial verbindend und klimawirksam möchte man hier unterwegs sein. „Wir haben gerade Mutterboden aufgebracht und viele Hochbeete installiert. Zudem haben wir 50 alte Sorten und 50 Obstbäume und Busche gepflanzt. Ein Areal für Wildbienen gibt es ebenfalls. Ab März 2023 freuen wir uns über Menschen, die mit uns in Gemeinschaft gärtnern möchten. Da es keine Parkplätze gibt, ist eine Anfahrt am besten mit dem Fahrrad möglich“, freut sich Quartiermanagerin Ute Goronczy.

Weitere Projekt in Oldenburg

Egal, ob du einen eigenen Garten hat und dich darüber hinaus in einem Gemeinschaftsprojekt engagieren willst oder ob die Lust auf Garten und Gärtnern vorhanden ist, aber der passende eigene Garten dazu fehlt. Die Stadt Oldenburg hat einige Projekte zum Urban Gardening auf dem Plan.

Einerseits gibt es in Oldenburg Flächen und Gärten, die du pachten oder mieten kannst. Gartengrundstücke können von einer der acht Kleingartenvereine übernommen oder Grabelandflächen im ganzen Stadtgebiet gepachtet werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Pflege von Straßenbeeten zu übernehmen. Hier zu beachten ist, dass beim Einsatz von Grünbändern auf unbefestigten Straßen mindestens zwei Meter breite Streifen vorzuhalten sind. Für weitere Informationen dazu wende dich bitte an Jens Bütefisch vom Straßenbauamt, Telefon: 0441 235-2558 oder E-Mail: jens.buetefisch@stadt-oldenburg.deAnsammlung von bepflanzten Holz-Hochbeeten auf grünem Rasen

Obstwiesen, die kleine Mengen Obst für den persönlichen Gebrauch spenden, findet man ebenfalls im Oldenburger Stadtgebiet. Viele Wiesen werden auch an Vereine verpachtet, die die Hilfe und Beteiligung an Pflege und Ernste koordinieren. 

Auch öffentliche und halböffentliche Gartenprojekte gibt es in Oldenburg. Zum Beispiel der „Bunkergarten“ als öffentlicher Gemeinschaftsgarten oder Gemeinschaftsbeete für alle – also mobile Hochbeete, mit Kräutern und Blumen bepflanzt. Der Bunkergarten ist das erste Oldenburger Urban Gardening Projekt und befindet sich an der Leo-Trepp-Straße 13. Zudem entstehen im Rahmen der Gemeinwesenarbeit im Sanierungsquartier interkulturelle Gärten, die Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialer Gruppen zum gemeinsamen Gärtnern einladen sollen. Auch im Nachhaltigkeitsquartier Helleheide auf dem ehemaligen Fliegerhorst wird eine Fläche für gemeinschaftliches Gärtnern geplant.

von Andreas Unterberg


Weitere Infos ...

... zu Kontakt- und Pachtmöglichkeiten, Standorten und Kleingartenvereinen findest du ...

Pflanzen als politisches Statement – wenn Urban Gardening politisch wird, nennt man das Guerilla Gardening. Es geht um die unerlaubte, also nicht erlaubte Begrünung von Brachflächen aus Protest.