Wie ist die Idee entstanden, Garten-Influencerin zu werden?
Ich bin vor 4,5 Jahren überredet worden meine Gartenbilder bei Instagram zu zeigen. Da ich Koordinatorin der „Offenen Gärten“ hier im Landkreis bin, öffne ich meinen Garten schon seit längerem für die Öffentlichkeit. Zuerst habe ich nur Fotos gepostet und bin dann mutiger geworden. Mit meiner großen Klappe, dem Herz auf der Zunge und ungeschminkt habe ich mich vor die Kamera getraut. Das ist so gut angekommen, dass mittlerweile alles ein wenig entartet ist. Mir ist es wichtig, den Leuten Mut zu machen und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu kommen. In meinen Videos gebe ich mich ganz locker und authentisch und spreche so, wie ich mit Freunden sprechen würde. Ich glaube das hat das Ganze so erfolgreich gemacht. Es wird nichts geschnitten oder gefiltert. Ich stelle die Videos direkt ins Netz, weshalb es auch einmal sein kann, dass ich Marmelade am Mund habe oder morgens in Wollsocken und Nachthemd im Garten stehe. Und das mögen die Leute, ich bin immer Katrinchen geblieben.
In deinen Postings wird klar, du möchtest dein erlerntes Gartenwissen weitergeben und junge Leute zum Gärtnern motivieren. Gibt es noch einen Grund, weshalb du Tag für Tag informative und lustige Videos erstellst?
Ich möchte gerne mehr blühende Pflanzen in Deutschlands Gärten bringen. Mehr junge Leute für das Anlegen eines Gartens animieren, statt Schotter in die Gärten zu schmeißen, das ist meine Motivation. Jeder kann Gärtnern und jeder kann einen kleinen Beitrag für die Natur und unseren Artenschutz leisten. Das ist mir ganz wichtig.
Was unterscheidet dich von anderen Garten-Bloggern?
Mein Nagellack ist nicht rot, mein Nagellack heißt Blumenerde. Ich brauche auch kein Sommerkleid mit Blümchen drauf. Ich bin einfach ungeschminkt und authentisch. Und außer mir geht höchstwahrscheinlich niemand mit dem Nachthemd durch den Garten und filmt sich dabei. Außerdem habe ich schönere Nachthemden als die anderen (lacht).
Gärtnern kann jeder! Gibt es 3 Tipps, die du Unerfahrenen beim Anlegen eines Gartens mit an die Hand geben kannst?
Der erste wichtige Tipp ist: Man muss erst einmal seinen eigenen Stil finden, damit man mit seinem Garten glücklich ist. Ich selbst liebe Harmonie und Struktur. Diese Elemente habe ich auch in meinen Garten einfließen lassen. Ich finde Cottage-Gärten mit ihrer ganzen Wildheit auch schön, das bin ich persönlich aber nicht. Jeder sollte sich fragen, was bin ich überhaupt für ein Gartentyp. Dann rate ich auch immer dazu, pflanzt Masse! Je dichter, desto pflegeleichter. Zudem gibt es Struktur und wird harmonischer. Ich habe das ganze Jahr über keine Arbeit in den Beeten, weil alles zugewachsen ist. Ein dritter Tipp und das sage ich auch immer meinen Followern, handelt einfach aus dem Bauch heraus! Probieren, statt studieren und sich nicht von Klugscheißern verunsichern lassen. Das wird schon wachsen. Wichtig ist allerdings, dass man das Grüne nach oben pflanzt. Gärtnern soll Spaß machen und es muss nicht auf Anhieb alles perfekt sein. Viele Wege führen nach Rom und es muss nicht immer der eine, der richtige Weg sein. Wenn man die Anfängerfehler übergehen möchte, die ich gemacht habe, habe ich ein paar hilfreiche Tipps in meinem Buch. Hier findet man eine Reise durch das Gartenjahr mit allen wichtigen Arbeiten, sowie hilfreiche Tipps wie zum Beispiel die Stützung der Hortensie „Annabelle“ durch Baustahlmatten oder die Düngung mit Kuhmist. Es ist ein humorvoller Gartenratgeber für Anfänger.
Was bedeutet dein Garten für dich?
Mein Garten ist mein Herz und ein Ausgleich für meine Seele neben dem schweren Arbeitsalltag im Krankenhaus. Er gibt mir Ruhe, Kraft und Seelenheil – das ist mein Garten für mich.
Es gibt unzählige Sprichwörter, die das Glück eines Gartens beschreiben. Macht dein Garten dich glücklich und wenn ja, warum?
Ja, mein Garten macht mich glücklich, weil ich ihn so angelegt habe, dass er von Januar bis November durchgehend blüht. Irgendetwas blüht hier immer. Ich habe jetzt im Februar schon die ersten Bienen im Garten. Wenn ich das beobachte, geht mir das Herz auf.
Hast du eine Lieblingsstaude?
Nein habe ich nicht. Ich liebe alle meine Pflanzen im Garten und ich kenne auch alle meine Untermieter. Hier zieht nichts ein, ohne vorher von mir begutachtet zu werden. Ich möchte immer wissen, wer hier wohnt und ob die Pflanze bei mir im Garten auch klarkommt.
Beende bitte diesen Satz: „In der Staudengärtnerei bin ich die, …
... die sich den Kofferraum vollknallt (lacht herzlich). Ich habe tausende Gucci-Handtaschen im Garten vergraben. Wer braucht schon Designertaschen, wenn es einen Kofferraum voll blühender Pflanzen gibt.
Das Herzstück der Küche ist ein großer Esstisch, das Wohnzimmer braucht ein gemütliches Sofa, das Schlafzimmer ein schönes Bett. Was darf in keinem Garten fehlen?
Blühende Beete! Garten heißt für mich Blühen und nicht Hecken, Steine und Rasen.
Gibt es etwas, das du der jungen Garten-Community mit auf den Weg geben möchtest?
Macht einfach euer Ding und habt keine Angst. Jeder kann Gärtnern und Gärtnern macht riesigen Spaß!