Gartenzeit | Magazin
01 | 2023
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Grün macht glücklich

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ heißt ein allseits bekanntes Sprichwort. Für den Garten sollte dies aber besser nicht zutreffen, denn die „Arbeit“ ist hier eigentlich schon das Vergnügen. Das wirst Du spätestens dann feststellen, wenn Du siehst, was Du gerade geschafft hast. Auch jedes noch so kleine Erfolgserlebnis macht Dich automatisch zufriedener. Das können die frisch eingesäten Tomatenpflanzen sein, deren Wachstum auf der Fensterbank Du nun täglich begutachten wirst, oder die gerade gepflanzten bunten Frühblüher, die auf dem Balkon doch noch dem ein oder anderen Schneeschauer trotzen müssen und dennoch täglich ein Stück größer zu werden scheinen. Ein tolles Gefühl, eine solche Entwicklung in Gang gesetzt zu haben, oder?Hände, die Erde und eine kleine, grüne Pflanze halten.

Sinnliches Erleben

Fühlen, riechen, schmecken – wer gärtnert, ist mit all seinen Sinnen dabei. Das Rauschen der Bäume ist ebenso entspannend wie das Zwitschern der Vögel, das Summen der Bienen oder das monotone Quaken der Frösche im Teich. Insbesondere Dufterlebnisse sind sehr nachhaltig, denn sie bleiben am stärksten im Gehirn haften: Auch Stunden später noch können wir uns intensiv an den frischen Duft einer Rose, den typisch krautigen Geruch von Lavendel oder das süße Phlox-Aroma erinnern. Nicht zu vergessen: die ätherischen Öle von Kräutern wie Rosmarin oder Thymian, die sich besonders gut entfalten, wenn man die Kräuter zwischen den Händen reibt. Ist bereits Erntezeit, wirst Du sicher nicht darauf verzichten, ab und zu eine Tomate in den Mund zu stecken. Oder aber Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren – von der Sonne erwärmt ein fantastischer Genuss. Und falls Du es noch nicht ausprobiert hast: Auch das Buddeln in der Erde kann richtig viel Spaß machen. Schließ doch einfach mal die Augen und fühle genau hin: Ist das Erdreich warm oder kalt? Krümelig oder lehmig fest? Noch ein wenig feucht vom letzten Regen oder staubtrocken?Flechtkorb mit Gemüseernte.

Bewegung und frische Luft

Es muss nicht unbedingt die morgendliche Joggingrunde sein, um sich fit und energiegeladen zu fühlen. Ein Viertelstündchen mit dem Spaten das Beet umgraben, auf die Knie gehen und Unkraut jäten oder mit der Astschere Überflüssiges entfernen – all dies bringt ebenfalls den Kreislauf in Schwung und kurbelt die Sauerstoffversorgung an. Gleichzeitig bauen wir Stresshormone ab, fühlen uns glücklich und zufrieden. Kurzum, die Psyche profitiert von der Bewegung an der frischen Luft. Ein bisschen Nieselregen? Egal, auch das kann uns nicht daran hindern, den Garten zum Blühen zu bringen und uns mit einem Schwung Glückshormonen zu belohnen.Hände, die in einem Pflanztopf zu graben.

Sich kümmern tut gut

Wenn die beste Freundin Dich braucht, bist Du sofort zur Stelle. Ganz zu schweigen von Deinem Partner, den Kindern oder Eurem vierbeinigen Mitbewohner. Sicher hast Du es schon festgestellt: sich kümmern tut einfach gut – nicht nur den anderen, sondern auch Dir. Mit ebensolcher Hingabe und Verantwortung kannst Du Dich auch um jedes noch so kleine Pflänzchen kümmern. Gerade, wenn Du etwas wachsen siehst, vielleicht sogar Tomate, Gurke oder die Möhren selbst gesät hast, ist es einfach schön, jeden Tag danach zu schauen und mit allem zu umsorgen, was es braucht. Etwas Dünger, Wasser oder ein größerer Topf mit frischer Erde sorgen für ein gutes Wachstum – und letztendlich erfüllt es Dich auch mit Stolz, wenn aus einem kleinen Samenkorn etwas Großes entstanden ist.Blaue Gartenschere, die auf dem Boden zwischen bunten Blumen liegt.

Der Trick mit dem Bild

Du hast keinen grünen Daumen und ärgerst Dich insgeheim darüber, dass Dir alles reihenweise eingeht? Dann geht sicher auch Deine Laune in den Keller. „Dass kränkelnde Pflanzen einen negativen Effekt haben können, liegt nahe. Sie machen den Raum offensichtlich unattraktiver und sind daher für unsere Stimmung nicht förderlich“, schreibt Umweltpsychologin Dr. Claudia Menzel im Blog der Universität Koblenz-Landau. Ihr Tipp: auch virtuelles Grün nutzen. Eine glänzend grüne Pflanze als Bildschirmhintergrund kann ebenso die Laune heben wie ein schönes Garten- oder Naturbild an der Wand – ganz ohne Erfolgsdruck.  

von Melanie Jülisch


Zahlreiche Studien haben ergeben, dass sich Pflanzen positiv auf die Stimmung auswirken. Wieso? Das erfährst Du im Podcast des Wissenschaftsmagazins Spektrum.