Gartenzeit | Magazin
01 | 2024
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Den Zünsler im Zaum halten

Für viele Gartenliebhaber startet das Frühjahr auch mit einem prüfenden Blick auf ihren Buchs: Sind dort bereits die ersten Anzeichen des Buchsbaumzünslers zu erkennen? Was es mit den Tieren auf sich hat und was man gegen sie unternehmen kann, das weiß Nadja Krause, Leiterin Niedersächsische Gartenakademie der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.


Seit vielen Jahren schon ist der Buchsbaumzünsler bei uns aktiv. Wie stark hat er sich vermehrt?

Der Buchsbaumzünsler wurde wahrscheinlich mit Pflanzenimporten aus Ostasien eingeschleppt. 2007 wurde er das erste Mal im südlichen Emsland und damit in Niedersachsen beobachtet. Seitdem hat er sich in großen Teilen Niedersachen und in vielen Region Deutschlands ausgebreitet.

Scheinbar hat er keine natürlichen Feinde, oder doch?

Der Buchsbaumzünsler ist bei uns in Deutschland nicht heimisch und hat daher erst einmal keine natürlichen Feinde. Dennoch wird Vogelfraß immer wieder beobachtet. Kohlmeisen, Haussperling und Gartenrotschwanz fressen beziehungsweise verfüttern die Raupen an ihre Brut. Gerade sehr akkurat in Form geschnittene Buchsbäume sind aber sehr dicht, so dass es Vögel schwer haben an die Raupen zu gelangen. Die Raupen sitzen gerne versteckt im Inneren und fressen sich durch den Buchsbaum.

Wann startet seine Saison?

Wir in Niedersachsen haben zwei Generationen im Jahr. Mein Kollege, Dr. Thomas Brand vom Pflanzenschutzamt hat einen schönen Merkspruch: Im April und August ist Alarm. In dieser Zeit schlüpfen die jungen Raupen und fressen sich durch den Buchs. In dieser Zeit sollte man seine Pflanzen regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls behandeln. Wie stark der Befall ist, ist immer etwas wetterabhängig und natürlich vom Befallsdruck an sich. Gibt es viele befallene Buchsbäume in der Nachbarschaft, sind die eigenen Buchsbäume auch gefährdeter.

Wann und wie sollte man nachsehen, ob eine Pflanze befallen ist?

Gerade die kleinen Raupen am Anfang sind schwer zu finden. Daher sollten die Pflanzen im Frühjahr und Frühsommer regelmäßig auf Zünslerspuren wie Kotkrümel, Schabefraß, Kahlfraß oder feine Gespinstfäden sowie auf Raupen kontrolliert werden.

Und was kann man dann tun?

Alle Gegenmaßnahmen richten sich gegen die Zünslerraupen. Diese können mit mechanischen, biologischen und chemischen Maßnahmen bekämpft werden. Es gibt auch Trichterfallen im Handel zu kaufen. Diese dienen aber nicht der Bekämpfung, sondern der Überwachung der Falter. Hierbei werden Pheromone verwendet, die männliche Falter anlocken. Werden viele männliche Falter gefangen, kann davon ausgegangen werden, dass auch viele weibliche Falter vorhanden sind und damit Paarung und Eiablage im vollen Gange sind. Dann ist eine Bekämpfung möglich und sinnvoll.

In Versuchen haben sich Präparate mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis als am wirksamsten gezeigt. Dabei wird versucht, den Buchsbaum möglichst komplett (Ober- und Unterseite des Blattes sowie im Inneren) mit der hergestellten Spritzbrühe zu benetzen. Die Bakterien werden von den Zünslerraupen zusammen mit den Blättern aufgenommen. Sie vermehren sich im Darm der Raupen und lösen die Darmwand auf. Dadurch sterben die Raupen. Besonders junge Raupen sind empfindlich gegenüber Pflanzenschutzanwendungen. Daher sollte möglichst früh die Bekämpfung vorgenommen werden. Ältere Raupen benötigen zum einen mehr Wirkstoff und sind zum anderen vom Fressverhalten nicht mehr so aktiv wie junge Raupen. Es gibt aber auch noch andere zugelassene chemische Pflanzenschutzmittel gegen den Buchsbaumzünsler. In jedem Fall sollten sich Hobbygärtner und Hobbygärtnerinnen im Fachhandel entsprechend beraten lassen.

Absammeln ist bei den Massen nicht möglich – oder doch? Gibt es Tricks?

Das Absammeln ist prinzipiell schon möglich. Macht aber am ehesten Sinn, wenn es nur wenige Pflanzen und die Pflanzen an sich eher klein sind sowie der Befall nicht zu hoch ist. Die Raupen sollten dann in einem Glas gesammelt und mit kochendem Wasser übergossen werden. Besonders die kleinen Raupen am Anfang zu entdecken ist aber sehr schwierig. Das Abspülen der Raupen mit einem harten Wasserstrahl wäre noch möglich. Dies sollte jedoch nicht zu häufig gemacht werden, weil es natürlich auch zu Verletzungen an der Pflanze kommen kann und auch das Pilzrisiko steigt. Eine andere Möglichkeit wäre noch der Rückschnitt. Insbesondere die Jungraupen aus der Überwinterung können so reduziert werden. Der Rückschnitt darf dann aber nicht im Garten oder auf dem eigenen Kompost verbleiben, sondern sollte über den Restmüll entsorgt werden.