Nach Ihren erfolgreichen Büchern für Erwachsene rund um die Themen Gemüseanbau, Hühnerhaltung und Selbstversorgung, haben Sie nun auch ein Buch für Kinder geschrieben. Was ist „Judiths kleine Farm“?
Nach meinen beiden ersten Büchern, in denen ich versucht habe, Erwachsene für den Gemüseanbau und die Hühnerhaltung im eigenen Garten zu begeistern, möchte ich nun auch die kleinen angehenden Gärtnerinnen und Gärtner ansprechen und habe deshalb ein Kinderbuch geschrieben. Der kleine Kater Jack, den es tatsächlich gibt, zieht in dem Buch auf meine kleine Farm und entdeckt dort viel Neues. Er beobachtet mich beim Gemüseanbau, lernt die Tiere im Garten mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen kennen, erfährt wie Fohlen und Küken entstehen und wo die Lebensmittel herkommen. Er lernt, dass diese eben nicht im Supermarkt in Konserven wachsen, sondern in der Erde im Beet. Während dieser ganzen Erlebnisse und Abenteuer ist er auf der Suche nach einem besten Freund, weil er als junger Kater trotz der vielen Tiere auf der Farm ein bisschen einsam ist.
Das Buch ist wunderschön illustriert, sehr erzählerisch und gleichzeitig lehrreich. Wie haben Sie das umgesetzt?
Die Idee war es, ein lehrreiches Sachbilderbuch zu machen. Auch bei meinen Büchern für Erwachsene erzähle ich zwischen den Ratgeberteilen Geschichten und Anekdoten aus meinem eigenen Garten, die Wissen vermitteln, aber auch das Herz ansprechen. Ich glaube, dass sich Sachinformationen und Fakten, auch rund um das Thema Gärtnern, viel besser memorieren lasse, wenn man sie mit Emotionen verbindet und nicht nur den Kopf anspricht. Ich versuche, die Realität so darzustellen, wie sie ist, aber unterhaltsam verpackt. Im Buch kommt z. B. einen Schneckenplage über den Garten und ich thematisiere die Möglichkeiten, die nimmersatten Schleimerchen wieder loszuwerden – aber ich erzähle das zwischendurch auch aus der Sicht der Schnecken. Und ich habe auch versucht, an der einen oder anderen Stelle ein Augenzwinkern für Erwachsene einzubauen, damit auch sie beim Vorlesen Spaß haben.
Ich hatte jedenfalls Spaß beim Lesen. Apropos Schnecken: Haben Sie die Hürden und Schwierigkeiten, denen Kater Jack im Buch begegnet, wirklich so erlebt?
Es ist alles ziemlich genau so passiert. Nach meinem Umzug auf die kleine Farm habe ich tatsächlich erstmal ein Beet angelegt – ohne jegliche Vorerfahrung oder grünen Daumen. Alles ist gewachsen und ich habe mich gefreut, dass es tatsächlich funktioniert, obwohl ich mir das Wissen dafür nur angelesen hatte. Dann kam ich eines Tages in den Garten und es war fast alles weggefressen – Schneckeninvasion. Wie in dem Buch dargestellt, wusste ich nicht, was ich tun soll, und habe verschiedene Dinge ausprobiert. Irgendwann habe ich die Schnecken eingesammelt, weggetragen und einen Schneckenzaun installiert, der dann wirklich geholfen hat. Wobei ich dann auch einmal den Fehler gemacht habe, Kohlrabi direkt an die Beetkante zu pflanzen. Seine großen Blätter ragten über den Schneckenzaun auf den Rasen, wodurch die Schnecken zurück ins Beet gekommen sind. Und genau das beschreibe ich, etwas kindgerechter, dann auch im Kinderbuch. Eine Stelle, an der die Kinder immer lachen müssen. Genauso wie an den Stellen, an denen Maulwurf Günter auftaucht. Er ist der heimliche Star im Kinderbuch.
Was wünschen Sie sich, sollen Kinder aus Ihrem Buch mitnehmen?
Ich stelle mir das so vor: Ein Kind, das mein Buch gelesen hat, läuft mit Mama oder Oma durch den Garten und plötzlich entdecken alle gemeinsam einen Schneckenfraß. Während die Erwachsenen noch überlegen, was man da nun tut, weiß das Kind längst Bescheid und sagt: „Also wir müssen einen Schneckenzaun installieren. Aber wir dürfen nichts an die Seite pflanzen, wo die Blätter auf den Rasen ragen.“ Das wäre meine Traumvorstellung, dass die Kinder durch das Buch die Lösungen für die Probleme der Eltern im Garten entdecken.
Das ist eine schöne Vorstellung. Kinder geben ja auch gerne weiter, was sie Neues gelernt haben. Haben Sie selbst schon mal die Erfahrung gemacht?
Oh ja. Ich hatte letzten Sommer die Tochter einer Freundin bei mir zu Gast und Kinder, die bei mir zu Besuch sind, wollen immer zuerst in den Garten, weil dort die Tiere leben und ich so viele seltene Gemüsesorten anbaue, wie z.B. lilafarbene Erbsen, blauen Kohlrabi oder Kartoffeln, die aussehen wie ein Clownfisch. Ich habe ihr dann im Vorbeigehen erzählt, was ein Hochbeet ist, wo die Vorteile sind und dass unten drin ein Gitter liegt, damit die Wühlmäuse nicht von unten die Möhrchen abfressen können. Zehn Minuten später kam die Mutter mit ihrem Freund dazu, entdeckte das Hochbeet und fragte, was da eigentlich die Vorteile seien. Und dann hat die kleine Tochter geantwortet und erklärt, dass die Möhren extra in dem Hochbeet sind, damit die Wühlmäuse nicht drankommen. Genau das habe ich mir gewünscht.
Wir wollen nicht zu viel verraten, aber das Buch hat ein offenes Ende. Bedeutet das, es wird noch mehr Geschichten geben?
Ja, ich schreibe jetzt schon am zweiten Buch. Beim Schreiben des ersten Bandes flossen die Gedanken nur so aus mir heraus. Am Ende konnte ich aus Platzgründen nur einen ganz kleinen Teil meiner Ideen im Buch unterkriegen. Da war sehr schnell klar, dass es noch einen zweiten Band geben muss. Ich könnte, glaube ich, 100 Bände schreiben. Ich muss nur in meinen Garten gehen, da passiert jeden Tag so viel. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt und vor allem durch den Garten geht, dann ist alles, was dort geschieht, eine Inspiration.
Wir sind gespannt und freuen uns auf das, was noch kommt. Das Thema Garten ist auch absolut Ihr Thema geworden, oder?
Ja, ich bin wirklich mit dem Herzen dabei. Und es macht mir großen Spaß, auch andere Menschen dafür zu begeistern und all das zu teilen. Man sagt ja immer, Glück wird mehr, wenn man es teilt und Begeisterung auch. Ich habe auch sehr viel Freude daran, die Nachrichten aus der Community auf Instagram zu lesen. Viele schicken mir Bilder aus ihrem Garten, berichten von ihren Anbauversuchen und schreiben mir, dass sie über mich zu eigenen Hühnern gekommen sind, was sie nun so glücklich macht. Das motiviert mich nicht nur weiterzumachen, sondern noch mehr zu machen.
Abschließend, welche Bedeutung hat deine kleine Farm mit all Ihren Tieren und der Möglichkeit zur Selbstversorgung für Sie?
Die kleine Farm ist mein großes Glück. Viel Flausch, viel Liebe. Ich wertschätze das sehr und bin sehr dankbar für alles, was dort wächst. Der eigene Gemüsegarten ist einfach die kürzeste Lieferkette der Welt und eine tolle Möglichkeit, sich besondere und selten Sorten auf den Teller zu holen. Selbstversorgung bedeutet mehr Vielfalt im Speiseplan und im Leben. Nachhaltigkeit ohne Verzicht. Nachhaltigkeit, die glücklich macht.