Kompost - das Gold des Gärtners
Der Boden der Tatsachen
Ein gesunder, lebendiger Boden ist Voraussetzung für üppigen Pflanzenwuchs und vor allem für wohlschmeckendes Gemüse. Humus heißt das Zauberwort und je dicker diese Schicht aus abgestorbenen organischen Substanzen und den Ausscheidungen von Bodenlebewesen ist, umso besser wächst und gedeiht es in Eurem Garten. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum jeder Gärtner (und auch Landwirt) diese Humusschicht erhalten und ausbauen sollte. Denn Humus ist ein ausgezeichneter CO2-Speicher und somit wichtig für den Klimaschutz. Im Garten fördert Ihr mit dem Aufbau einer dicken Humusschicht die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern und sorgt gleichzeitig dafür, dass überschüssiges Wasser gut versickert und sich keine Staunässe bildet.
Aber wie könnt Ihr eine solche Humusschicht aufbauen? Kurz gesagt, indem Ihr Grünabfälle, Laub, Rasenschnitt und andere organische Abfälle einfach in Eurem Garten belasst und nicht in die diversen Abfalltonnen entsorgt. Denn diese Abfälle sind voller Nährstoffe, die Ihr dem Garten wieder zuführen könnt – indem Ihr diese auf einem Kompost verrotten lasst. So könnt Ihr beste Gartenerde selbst produzieren und auf teuren Kunstdünger und umweltschädigende Torfprodukte verzichten.
Ein Komposthaufen im Garten ist also im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Wobei kaum noch jemand wirklich einen Haufen im Garten aufschichtet. Meistens handelt es sich um eine Bretterkiste, in der die Grünabfälle zwecks Kompostierung gesammelt werden. Einen Kompost(haufen) anzulegen, ist denkbar einfach und man muss nur ein paar wenige Dinge beachten.
- Der Kompostbehälter muss auf offenem Boden stehen, also nicht auf einer gepflasterten oder anderweitig versiegelten Fläche. Denn nur so können Insekten und Regenwürmer vom Boden in den Kompost gelangen und an der Verrottung mitwirken. Wer einen Kompostbehälter fertig kauft, sollte ein Modell ohne untere Abdichtung wählen.
- Dann werden dünne Äste und Reisig zu einer dicken Bodenschicht in den Behälter gestapelt. So gelangt die für den Verrottungsprozess wichtige Luft an das Material und auch Staunässe wird so verhindert.
- Darüber kommen dann feinere Abfälle abwechselnd mit groben Materialien. Auch das sorgt für Belüftung.
- Die Höhe des Komposthaufens sollte 1,5 Meter nicht übersteigen.
- Am besten wählt man eine Ecke im Halbschatten als Standort für den Komposthaufen aus.
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Was darf auf den Komposthaufen?
- Grundsätzlich darf jeder Grün- und Bioabfall (Rasenschnitt, Laub, zerkleinerter Strauchschnitt, Pflanzenreste, Unkräuter und Fallobst) auf den Komposthaufen. Einige Laubarten, zum Beispiel Eiche, Kastanie und Birke, verrotten jedoch sehr schwer und setzen dabei außerdem Gerbsäure frei, die zu einer Versauerung führen kann. Hier kann der Zusatz von Kalk oder Tonmineralien hilfreich sein. Auch hilft es, das Laub vorher zu zerkleinern. Das geht am besten, indem man mit dem Rasenmäher über das auf dem Gras liegende Laub fährt. Dabei wird es sogar gleich mit dem Rasenschnitt vermischt.
- Auch pflanzliche Küchenabfälle von rohem Obst und Gemüse dürfen auf den Kompost, ebenso wie Kaffeesatz und Tee. Eierschalen sorgen für etwas Kalkzufuhr im Kompost.
Was gehört nicht auf den Komposthaufen?
- Keinesfalls gehören aber gekochte Essensreste und tierische Abfälle auf den Komposthaufen. Denn diese locken Ratten an.
- Nicht auf den Kompost gehören außerdem Pflanzen oder Pflanzenteile, die hartnäckige Krankheiten haben. Denn deren Erreger bilden oft widerstandsfähige Dauersporen, die lange im Boden und auch im Kompost überdauern. Wird der Humus dann später wieder auf den Beeten verteilt, verbreiten sich die Krankheiten überall.
- Besonders solltet Ihr auf Fäule im Wurzel- oder Stängelbereich und Welkeerkrankungen achten. Dazu gehören zum Beispiel die Asternwelke oder Wurzelfäule an Erdbeeren.
- Bei Schorf, Mehltau, Blattfleckenkrankheiten oder Blattlausbefall könnt Ihr die kranken Pflanzenteile sofort mit Erde oder anderem dichten Material wie Grasschnitt abdecken. Das verhindert deren Verbreitung.
- Auch Schädlinge überleben im Kompost, etwa Nematoden und Gemüsefliegen. Befallene Pflanzen oder Pflanzenteile also lieber anders entsorgen.
- Genauso gehören samentragende oder Wurzelunkräuter wie Quecke oder Giersch nicht in den Kompost.
Die richtige Mischung macht den Unterschied
Die Abfälle aus Haushalt und Garten verrotten am besten, wenn sie sich abwechseln. Auf eine Schicht von trockenem Baum- oder Heckenschnitt füllt Ihr am besten feuchte Pflanzen- oder Küchenreste. Frischen Grasschnitt solltet Ihr idealerweise mit kleingehäckseltem Geäst mischen. Solche Durchmischungen sorgen dafür, dass sich der Kompost im Inneren auf rund 60 Grad erhitzt und die Grünabfälle verrotten, was auch schädliche Organismen abtötet.
Umsetzen beschleunigt die Verrottung
Zweimal im Jahr, idealerweise im Frühjahr und Herbst, wenn Bäume und Hecken geschnitten werden und es besonders viel neuen Grünschnitt zum Untermischen gibt, solltet Ihr den Komposthaufen umsetzen und dabei durchsieben. Was durch das Sieb fällt, kann schon in den Garten zurück. Was noch zu groß ist, geht zurück in den Komposter. Dabei kommt das gröbste Material ganz nach unten. Generell beschleunigt das Umsetzen die Kompostierung.
Reifer Kompost riecht nach Waldboden
Ob der Kompost fertig ist, könnt Ihr unter anderem am Geruch erkennen. Denn fertiger Kompost riecht nach feuchter Walderde. Normalerweise dauert der Umsetzungsprozess zwischen sechs und zwölf Monaten. Dann kann das „Gold des Kleingärtners“ auf den Beeten verteilt werden oder direkt in die Pflanzlöcher gegeben werden. Ihr könnt eine dünne Schicht Komposterde auch statt Dünger im Herbst auf dem Rasen verteilen.
Kompost als Dünger
Dass Kompost der beste Dünger überhaupt und dazu noch kostenlos ist, daran besteht kein Zweifel. Doch wieviel Kompost, sprich Dünger, verträgt der Garten? Während manche sagen, mit Kompost umgeht man die Gefahr der Überdüngung, gibt es auch Stimmen, die vor zu viel Kompost warnen. Der Nabu verweist auf Berechnungen im Auftrag des Umweltbundesamts, wonach der Garten über mindestens 70 Quadratmeter Fläche pro Haushaltsmitglied verfügen sollte, auf denen selbstgemachter Kompost verteilt werden kann. Für einen Vier-Personen-Haushalt wären also mindestens 280 Quadratmetern Garten nötig. Laut den Naturschützern schreiben manche Kommunen auch eine Mindestgröße des Gartens vor, um dort kompostieren zu dürfen. In der Regel seien dies zwischen 20 und 50 Quadratmeter.
Komposthaufen sorgt für Artenvielfalt
Wenn Euch Natur- und Klimaschutz am Herzen liegen, sollte ein Komposthaufen im Garten für Euch ganz selbstverständlich sein. Denn im Komposthaufen finden nicht nur Regenwürmer, sondern auch Igel, Erdkröten oder Spitzmäuse Unterschlupf. Auch viele Vögel finden hier Insekten oder auch Pflanzensamen für ihre Ernährung.
von Walburg Dittrich