Gartenzeit | Magazin
01 | 2025
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Der Maulwurf

Putziger Erdbewohner unter strengem Schutz

Dass es im Frühling tatkräftig ans Werk geht, kann man vielerorts in den Gärten beobachten: Dunkle Erdhügel zieren den Rasen, oftmals dicht aneinandergereiht. Nicht jeder freut sich darüber, Kinder hingegen lieben es, zuzusehen, wie der Maulwurf Stück für Stück das Erdreich ans Tageslicht befördert. Noch größer ist die Freude, wenn man den putzigen Buddler auch einmal zu Gesicht bekommt – meistens ist dies jedoch auf ein kurzes Herausragen des rosafarbenen Rüssels beschränkt. Der Name des etwa 13 cm großen Tierchens mit seinem dichten weichen Fell und den praktischen Grabschaufeln ist übrigens auf den alten Begriff „Molte“ zurückzuführen, was „Erde“ bedeutet. Es handelt sich also um einen „Erdwerfer“.

Indikator für vitalen Boden

Doch so mancher betrachtet es mit argwöhnischem Blick, wenn die kleinen Hügel, die als Aushubmaterial von Gängen, Schlaf-, Nest- und Vorratskammern aus dem Untergrund nach oben befördert werden und auf dem innig gehegten Zierrasen ganz andere Akzente setzen. „Eigentlich sollten Gartenbesitzer sich darüber freuen, wenn ein Maulwurf sich in ihrem Garten wohlfühlt“, sagt Mario Göwert vom NABU Oldenburg. „Seine Hauptnahrung sind Würmer, Raupen und andere Bodenlebewesen. Dort wo viele Regenwürmer vorhanden sind, ist der Boden intakt. Der Maulwurf ist also quasi ein Indikator für einen vitalen Boden – und das ist doch ein schönes Zeichen.“ Als Allesfresser in Sachen Fleisch stehen außerdem Frösche und Kröten auf seinem Speiseplan – obwohl der Maulwurf zur Ordnung der Insektenfresser gehört. Da er auch sehr gerne Schädlinge wie Schnecken, Engerlinge oder Schnakenlarven verputzt, ist er ein ausgesprochener Nützling im Garten. Zudem vertreibt er Wühlmäuse aus seinen Tunneln sowie seinem Revier und beschützt so unbewusst das Gemüsebeet. „Außerdem lockert der Maulwurf den Boden auf. Das kann insbesondere bei Starkregen von Vorteil sein, wenn das Wasser durch die vielen Gänge besser abfließen kann“, so Mario Göwert.

Streng geschützt

Der Maulwurf ist per Gesetz ausdrücklich geschützt. Man darf ihn also weder stören noch vergrämen oder gar töten. Denn der Lebensraum des kleinen Kerls wird immer knapper. „Wir können froh sein, dass es den Maulwurf überhaupt noch gibt“, so Mario Göwert. „Es gibt nachweislich immer weniger Würmer, die nun mal die Hauptnahrung des Maulwurfs sind. Und wenn der Lebensraum an Qualität einbüßt, dann verschwindet eine Art – und mit ihr die nächste. Es bestehen ja Abhängigkeiten zwischen den Arten, die sich nicht ersetzen lassen.“ Wer sich dennoch mit den Maulwurfshügeln nicht so recht anfreunden kann, der sollte sich stets vor Augen halten, dass die Aktivität des drolligen Erdbewohners begrenzt ist. „Vom Frühjahr bis zum Frühsommer ist der Maulwurf kräftig am Bauen, danach lässt es nach. Häufig wandern die Tiere später auch ab“, so Mario Göwert. Dennoch hat er einen Tipp parat: „Wer einen neuen Rasen sät, kann beispielsweise in einem Teilbereich Gittermatten einziehen, die das Zutagebefördern der Erde verhindern.“


Von Melanie Jülisch