Stecklinge bringen Blütenpracht aus eigener Hand
Rosen vermehren leicht gemacht
Der Sommer ist nicht nur die Zeit der Blüte, sondern auch die beste Gelegenheit, den eigenen Rosengarten nachhaltig zu erweitern. Wer seine Lieblingsrosen unkompliziert vermehren möchte, greift am besten zur Stecklingsmethode. Sie ist nicht nur einfach umzusetzen, sondern führt auch zu sortenechten, kräftigen Pflanzen – ganz ohne spezielles Fachwissen.
Ilse Voigt-Lüers kennt die Tricks
Wir haben uns mit Ilse Voigt-Lüers in ihrem traumhaften Naturgarten in Elsfleth getroffen und sie hat uns unter der beindruckenden Rosenpergola gezeigt, wie sie ihre Kletterrosen vermehrt: „Besonders gute Erfahrungen habe ich mit Risslingen gemacht. Im Gegensatz zu Stecklingen, werden sie nicht geschnitten, sondern vom Zweig gerissen“ sagt Ilse Voigt-Lüers. Sie gärtnert in ihrem „Blütenreich am Deich“, wie sie ihren Garten selbst nennt, seit über 30 Jahren. Als Inhaberin der Natur im Garten Plakette verzichtet sie vollständig, auf chemische Pestizide, Dünger und Torf.
Der richtige Zeitpunkt entscheidet
Zwischen Ende Juni und Anfang August sind die Bedingungen ideal: Die Triebe sind gut ausgereift, aber noch nicht völlig verholzt. Das Klima ist warm genug, um eine Austreibung hervorzurufen und die Wurzelbildung anzuregen. „Besonders geeignet sind bereits abgeblühte Zweige, die man normalerweise auch zurückschneiden würde“ erklärt Voigt-Lüers. Die Spitzen und die stark verholzten Teile des Triebs werden nicht verwendet. Wie mit allem in der Natur gilt auch hier: Es gibt keine Garantie, dass die Vermehrung über einen Steckling bzw. Rissling einwandfrei funktioniert.
Schritt für Schritt zum Erfolg
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Zunächst werden etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter lange Risslinge vom Hauptast abgerissen – am besten unterhalb eines Blattknotens. Die unteren Blätter werden vollständig entfernt, während das obere Blattpaar erhalten bleibt, um die Verdunstung gering zu halten. Am blanken Stängel sollten sich ungefähr vier bis 5 Augen, also Wachstumspunkte, befinden, die in die Erde gesteckt werden können. Wer ein bisschen nachhelfen will, kann die Schnittstelle des Stecklings kurz in ein Bewurzelungspulver tauchen. Es fördert die Ausbildung neuer Wurzeln – ganz ohne Chemie, oft auf Algenbasis. Voigt-Lüers, die auf ein solches Pulver verzichtet, verrät dennoch: „Wer kein Geld ausgeben möchte, kann so etwas auch ganz einfach selbst herstellen. Man muss nur Weidenblätter mit Wasser übergießen und circa zwei Wochen stehen lassen - und schon hat man einen Wurzelaktivator geschaffen.“
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Im Anschluss steckt man die vorbereiteten Triebe in einen Topf mit lockerer Anzuchterde: „Ich nutze gerne meine normale Gartenerde und mische diese mit Kompost. Falls man sehr tonhaltige Erde hat, sollte man unbedingt Sand untermischen“, erklärt Ilse Voigt-Lüers. Danach wird die Erde vorsichtig angedrückt. Wichtig ist, dass die Blätter nicht den Boden berühren – das beugt Fäulnis vor.
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Jetzt muss angegossen werden: „Ich nutze immer eine Mischung aus Wasser und effektiven Mikroorganismen. Damit habe ich bislang die besten Erfahrungen gemacht“ betont Voigt-Lüers. Die Flüssigkeit ist auf diversen Internetseite bestellbar. Wichtig ist, dass die Erde konstant schön feucht gehalten wird, damit die Wurzelbildung beginnen kann.
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Ein heller, warmer Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung ist der perfekte Platz für den Standort des Topfs in den nächsten Wochen. „Ich persönlich verzichte auf eine Abdeckung der Risslinge, da ich damit bisher nur schlechte Erfahrungen mit Fäulnis gemacht habe. Bei mir steht der Topf offen in dem Gewächshaus“, sagt Voigt-Lüers. Um eine gleichmäßige Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten, kann man eine Abdeckung mit einer lichtdurchlässigen Haube, einem Folientunnel oder einer halbierten PET-Flasche basteln.
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Nach etwa vier bis acht Wochen zeigen sich die ersten Austreibungen in Form von kleinen, hellgrünen Blättern. Man kann die neuen Triebe mehrmals entspitzen, damit sie sich gut verzweigen. Falls man die Stecklinge großzügig in den Topf gesetzt hat, kann man diese über den Winter geschützt im gleichen Topf stehen lassen. Die Auspflanzung erfolgt dann im nächsten Herbst, sobald die Pflanzen kräftig genug sind. Auch hier hat Ilse Voigt-Lüers noch einen Tipp: „Ich empfehle ein wenig Mykorrhiza Pilze in das Pflanzloch zu geben. Die Wurzelbildung der weißen Fadenwurzeln ist dann deutlich besser.“
Mit etwas Glück klappt´s mit der Vermehrung
Wer also ein wenig Zeit und Geduld mitbringt, kann auf nachhaltige Weise den eigenen Garten bereichern – ganz ohne großen Aufwand oder Kosten. Und was gibt es Schöneres als im Garten zu stehen, auf die duftende Blütenpracht zu blicken und stolz auf sich selbst sein zu können.
Von Ellen Leipelt