Die kulinarische Zeitreise des Spargels

Von der Antike bis zur Moderne. Der Spargelanbau in Deutschland begann im Stuttgarter Lustgarten

Pfeil-beige

Spargel, das edle Gemüse, das heute in vielen Teilen der Welt geschätzt wird, hat eine reiche und vielfältige Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Diese kulinarische Zeitreise führt uns von den Anfängen des Spargelanbaus und -konsums bis hin zu seiner heutigen Bedeutung in verschiedenen Kulturen und Epochen. 

Die Wurzeln im Altertum

Bereits die alten Griechen kannten und schätzten den Spargel, allerdings nicht in der Form, wie wir ihn heute genießen. Berühmte Ärzte wie Hippokrates nutzten vor allem die getrockneten Wurzeln des Spargels zur Herstellung einer stark harntreibenden Medizin. Für die wohlhabenden Römer hingegen war Spargel ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Festmähler. Cato der Ältere beschrieb um 175 v. Chr. in seinem Werk „De agri cultura“ detailliert die Anbauverfahren des Grünspargels. Kaiser Augustus' Vorliebe für Spargel war so groß, dass er Befehle mit der Aufforderung erteilte, sie „schneller auszuführen, als Spargel kocht“. 

Mittelalterliche Klostergärten und königliche Tafeln

Nachdem der Spargel durch die Römer in Europa verbreitet wurde, fand er im Mittelalter hauptsächlich in Klostergärten als Heilpflanze Verwendung. Erst ab dem 16. Jahrhundert eroberte der Spargel die Esstische der Adeligen und Königshäuser. Ludwig XIV. von Frankreich ließ sogar Gewächshäuser errichten, um das Gemüse ganzjährig anbieten zu können. In Deutschland begann der Spargelanbau im Stuttgarter Lustgarten, und bis Mitte des 17. Jahrhunderts war Spargel weit verbreitet. 

Von Grün zu Weiß: Eine Farbrevolution

Bis ins 19. Jahrhundert wurde Spargel ausschließlich als Grünspargel angebaut. Die Entdeckung des Bleichspargels, der unter der Erde wächst und dadurch seine weiße Farbe erhält, revolutionierte den Spargelanbau. Diese zartere und geschmacklich feinere Variante des Spargels wurde schnell in Deutschland und anderen Teilen Europas populär. 

Grüner-Spargel-auf-dem-Gemüsemarkt
weißer-Spargelbund

Spargel in der modernen Welt

Nach den beiden Weltkriegen, in denen der Spargelanbau nahezu zum Erliegen kam, erlebte das Gemüse einen enormen Aufschwung. Die Anbaufläche in Deutschland vergrößerte sich allein von 1995 bis 2005 um 50 Prozent. Heute gehört Deutschland zu den führenden Spargelerzeugern Europas. Die weltweite Produktion wird von China angeführt, gefolgt von Peru und Mexiko. Moderne Anbaumethoden und die Züchtung früherer Spargelsorten ermöglichen es, die Erntezeit zu verlängern und die Verfügbarkeit des Gemüses zu erhöhen.

Kulturelle Bedeutung und kulinarische Vielfalt

Spargel genießt nicht nur wegen seines Geschmacks, sondern auch aufgrund seiner vielfältigen Zubereitungsmöglichkeiten große Beliebtheit. Ob weiß oder grün, gebraten, gegrillt oder klassisch mit Hollandaise-Sauce serviert – Spargel ist ein Highlight der Frühlings- und Sommerküche. In vielen Kulturen wird die Spargelsaison mit Festen und Märkten gefeiert, die der Ernte und dem Genuss dieses vielseitigen Gemüses gewidmet sind.

Von Andreas Unterberg