Mara Saxon Young von Wildbiene + Partner

Wildbiene+Partner-BeeHome-Mara-Saxon-Young

Unterstützung für die heimlichen Bestäuber

Nisthilfen für Wildbienen

Sie sind klein, unscheinbar – und doch unverzichtbar für unsere Ernährung und die Vielfalt im Garten: Wildbienen leisten einen Großteil der Bestäubungsarbeit, bleiben dabei aber oft unbeachtet. Im Interview erklärt Mara Saxon Young von Wildbiene + Partner aus der Schweiz, warum die Tiere so wichtig sind, wie sich ihr Lebensraum gezielt fördern lässt und worauf Gartenbesitzer bei Nisthilfen achten sollten. Außerdem gibt sie praktische Tipps, wie sich Balkon und Garten mit einfachen Mitteln in ein Paradies für die fleißigen Bestäuber verwandeln lassen.

Warum ist es wichtig, Wildbienen zu fördern?

Wildbienen sind die stillen Heldinnen unserer Ökosysteme. Rund 85 Prozent aller Nutzpflanzen weltweit sind auf Bestäuber angewiesen. Dabei sind Wildbienen oft effizienter als Honigbienen: Eine Mauerbiene kann so viel bestäuben wie etwa 300 Honigbienen! Doch fast die Hälfte der circa 600 Arten in Deutschland steht auf der Roten Liste. Wenn wir die Wildbienen verlieren, bricht eine wichtige Säule unserer Ernährungssicherheit und der gesamten biologischen Vielfalt weg.

Wie unterscheiden sich Wildbienen von Honigbienen?

Der größte Unterschied: Wildbienen produzieren keinen Honig und leben meist nicht in Staaten. Während eine Honigbiene für ihr Volk arbeitet, ist das Wildbienen-Weibchen eine „alleinerziehende Power-Frau“. Zudem sind sie extrem friedfertig. Da sie keinen Honigvorrat verteidigen müssen, zeigen die meisten kein aggressives Verhalten. Viele haben sogar einen so weichen Stachel, dass sie die menschliche Haut gar nicht durchdringen könnten.

BeeHome-Classic-Widbienen-Häuschen-hauswand

Wie funktionieren Nisthilfen für Wildbienen?

Man muss wissen: Wildbiene ist nicht gleich Wildbiene. Jede Art hat ihre ganz eigene „Wohnvorliebe“. Eine Nisthilfe wie unser BeeHome bietet ein hochwertiges Zuhause für hohlraumnistende Arten. Das Prinzip ist faszinierend: Das Weibchen baut im Inneren der Röhrchen mehrere Brutzellen hintereinander. Jede Zelle wird mit einem Vorrat aus Pollen und Nektar bestückt, ein Ei darauf abgelegt und die Zelle dann mit Lehm oder Pflanzenmörtel versiegelt. Dort entwickelt sich die Larve geschützt bis zum nächsten Frühjahr.

Da aber rund 75 Prozent der Wildbienenarten im Boden nisten, ist es toll, wenn man im Garten verschiedene Strukturen anbietet:

  • Hohlraumbewohner: Nutzen Nisthilfen mit Röhrchen (wie das BeeHome) oder Käferfraßgänge in Totholz.

  • Boden-Nister: Benötigen offene, sonnige Bodenstellen, Sandlinsen oder Steingärten.

  • Mark-Nister: Suchen nach senkrecht stehenden Stängeln, zum Beispiel von Brombeeren oder Königskerzen.

  • Totholz-Spezialisten: Nagen sich ihre Gänge selbst in morsches Holz.

Unser Ziel bei Wildbiene + Partner ist es, mit dem BeeHome einen einfachen und emotionalen Einstieg in den Artenschutz zu bieten. Wer einmal das bunte Treiben an der Nisthilfe beobachtet hat, lässt im nächsten Schritt oft ganz automatisch auch mal eine „wilde Ecke“ im Garten stehen oder schafft offene Bodenstellen.

Welche Wildbienen-Arten nutzen Nisthilfen im Garten?

Unsere Nisthilfen sind speziell auf die Bedürfnisse der friedlichen Rostroten und Gehörnten Mauerbiene zugeschnitten. Da unsere Schilfröhrchen aber verschiedene Durchmesser von 5 bis 11 mm haben, finden dort bis zu 20 weitere Wildbienen-Arten ein Zuhause – etwa Blattschneiderbienen, Scherenbienen oder die Stahlblaue Mauerbiene.

Das Besondere: Mit unserer MyBeeHome App macht man das Unsichtbare sichtbar. Man scannt einfach den Nesteingang per Foto, und die App erkennt sofort, welche Art bei einem nistet. Zusätzlich bekommt man persönliche Tipps, wie man weitere Arten gezielt anlocken und fördern kann.

Worauf sollte man bei der Auswahl von Nisthilfen achten?

  • Der passende Lochdurchmesser: Er sollte zwischen 5 und 11 mm liegen. Das deckt die Bedürfnisse der Mauerbienen perfekt ab und lockt rund 20 weitere Arten an.

  • Der Zuschnitt der Röhrchen: Jedes Röhrchen muss am Ende durch einen natürlichen Knoten (Internodium) geschlossen sein, damit sich die Biene sicher fühlt. Zudem sollten sie mindestens 13 cm lang sein.

  • Die Beschaffenheit der Eingänge: Diese sollten glatt und splitterfrei abgeschliffen sein, damit die Bienen ihre empfindlichen Flügel nicht verletzen.

  • Schutz gegen Feuchtigkeit: Hochwertiges Material wie Kiefernsperrholz und atmungsaktives Riesenschilf verhindern Risse im Holz und gefährlichen Pilzbefall der Brut.

  • Lokale & soziale Herstellung: Wir fertigen unsere BeeHomes in Handarbeit in sozialen Werkstätten. Das garantiert höchste Qualitätskontrolle statt minderwertiger Massenware.

MyBeeHome-App-häuschen-wildbienen-nisthilfe

Welche Fehler werden bei der Nutzung von Nisthilfen häufig gemacht?

Oft sieht man im Handel „Insektenhotels“ mit Tannenzapfen oder Stroh – das bringt Wildbienen leider gar nichts. Ein häufiger Fehler ist auch das Bohren ins Stirnholz (da, wo man die Jahresringe sieht), weil das Holz dort reißt und Feuchtigkeit eindringt. Auch Plastikröhrchen sind problematisch, da darin die Feuchtigkeit nicht entweichen kann.

Wo im Garten ist der beste Platz für eine Nisthilfe?

Wildbienen lieben es sonnig. Ideal ist eine Ausrichtung nach Osten bis Süden, damit die Morgensonne die Bienen früh aktiviert. Platzieren Sie das BeeHome an einer festen Wand oder Unterlage etwa einen Meter über dem Boden – bitte nicht an schwankende Äste hängen, da Bienen einen stabilen Landeplatz bevorzugen. Auch Stadtbalkone in höheren Stockwerken sind super geeignet, solange im Umkreis von circa 300 Metern genügend Blüten als „Bienen-Restaurant“ zu finden sind.

Was muss bei der Pflege einer Nisthilfe beachtet werden?

Eigentlich gibt es nur wenig Aufwand: Am besten wird das BeeHome im Winter zwischen September und Januar gepflegt. Eine Schicht Leinöl schützt das Holz vor Witterung, wobei eine natürliche Schwarzfärbung die Bienen übrigens nicht stört. Wichtig ist jedoch der gelegentliche Austausch alter Schilfröhrchen, um Parasitenbefall vorzubeugen. Das Beste daran: Unsere MyBeeHome App macht das Management ab sofort zum Kinderspiel. Per Foto-Scan trackt die App die Nistverschlüsse und gibt den perfekten Überblick, welche Röhrchen belegt sind und wann ein Tausch wirklich Sinn ergibt. So wird das Naturerlebnis langlebig, digital und kinderleicht.

Wie kann jeder seinen Garten oder Balkon wildbienenfreundlich gestalten?

Das BeeHome ist der perfekte Einstieg, um die Natur direkt vor der Haustür wieder neu zu entdecken. Aber die Nisthilfe ist nur die halbe Miete – die Bienen brauchen auch ein passendes „Restaurant“. Wer heimische Wildblumen wie Glockenblumen, Natternkopf oder Reseda pflanzt und auf Spritzmittel verzichtet, schafft echten Lebensraum.

Mit unserer MyBeeHome App wird der Weg zur Wildbienen-Oase jetzt spielerisch einfach: Die App schlägt konkrete „Heldentaten“ vor – von der richtigen Pflanzenauswahl bis hin zu kleinen Wasserstellen. So steigern Sie Schritt für Schritt Ihr persönliches „Summ-Level“ und machen Ihren Impact auf die Artenvielfalt digital sichtbar und messbar.

Ein abschließender Appell?

Artenschutz beginnt vor der eigenen Haustür und macht unglaublich viel Spaß! Es ist magisch, wenn man morgens mit dem Kaffee auf dem Balkon sitzt und das emsige Summen der Mauerbienen beobachtet. Wir laden jeden ein, Teil unserer Community aus über 170.000 Naturförderern zu werden. Gemeinsam schließen wir die Lücken in den Flugkorridoren unserer Dörfer und Städte.