Bio-Gemüse aus dem Garten

Interview mit Ursel Kruse von der Niedersächsischen Gartenakademie

Was bedeutet „Bio“ im privaten Nutzgarten?

Im Bio-Garten geht es um den Anbau von gesundem, schadstofffreiem Gemüse – ohne chemischen Pflanzenschutz und mineralische Dünger. Entscheidend sind Bodenkenntnis, Standortwahl und gute Beetplanung. Bio heißt also nicht nur „Verzicht“, sondern „Verständnis und Verantwortung“.

Der ideale Gartenboden

Ein guter Boden ist humusreich, locker, wasserdurchlässig und schadstofffrei.

Zwei Haupttypen:

  • Sandboden: erwärmt sich schnell und hat eine gute Drainage, speichert aber schlecht Wasser und Nährstoffe. Tonmineralien und Humus verbessern ihn.

  • Tonboden: hält Wasser, ist nährstoffreich, aber verdichtet bei Feuchtigkeit stark. Kompost und Sand lockern ihn auf.

Wichtig ist eine schonende Bodenbearbeitung – lieber lockern statt umgraben, um Bodenlebewesen zu schützen. Nur schwere Tonböden werden im Herbst umgegraben, damit Frost die Struktur verbessert.

Die meisten Gemüsesorten mögen einen pH-Wert zwischen 6,0 und 7,0.

Sinnvoll düngen

Vor dem Düngen sollte man wissen, was der Boden braucht. Eine Bodenanalyse alle 3–5 Jahre hilft, Überdüngung zu vermeiden.

Geeignete organische Dünger:

  • Kompost: verbessert Struktur und Bodenleben (3l/m² genügen).

  • Hornspäne/Hornmehl: liefern Stickstoff, besonders bei hoher Phosphor- oder Kaliumversorgung (zusammen mit Kompost einsetzen).

  • Mist: bringt Humus, sollte aber abgelagert oder kompostiert sein. Frischer Mist kann schaden.

Vorsicht bei Pferde- und Hühnermist – diese können Unkräuter, Krankheitserreger oder zu viel Nährstoffe ins Beet bringen.

Natürlicher Pflanzenschutz

„Der beste Pflanzenschutz ist eine gute Pflanzengesundheit“, so Ursel Kruse.

Regeln für gesunde Pflanzen:

  1. Richtiger Standort und Nährstoffbalance: Zu viel Stickstoff fördert Blattläuse.

  2. Fruchtfolge: Jährlich Beete wechseln, um Bodenmüdigkeit und Krankheiten zu vermeiden.

  3. Mischkulturen: Pflanzen schützen sich gegenseitig vor Schädlingen und Krankheiten (Beispiel: Basilikum schützt Tomaten vor der weißen Fliege).

  4. Gemüseschutznetze: halten Kohlweißling, Möhren- und Zwiebelfliege fern.

  5. Nützlinge fördern: Vogelkästen, Nisthilfen und Blühflächen schaffen natürliche Feinde.

Biologische Pflanzenschutzmittel basieren auf natürlichen Wirkstoffen (z.B. Schwefel, Niembaum-Extrakt, Kaliumhydrogencarbonat). „Auch wenn diese Mittel einen natürlichen Ursprung haben, sollte immer die Gebrauchsanweisung gelesen und das Mittel entsprechend angewandt werden“, meint Ursel Kruse. Wichtig bei Hausmitteln: Nur zugelassene Grundstoffe verwenden – eigenständige Experimente mit ungetesteten Hausmitteln sind riskant.

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Saatgut und Sortenwahl

Wer biologisch gärtnern will, sollte auch auf biologisch erzeugtes Saatgut und Pflanzen setzen – am besten regional, da sie an Klima und Boden angepasst sind.

Samenfest oder Hybrid (F1)?

  • Samenfeste Sorten lassen sich weitervermehren und bewahren alte Vielfalt.

  • F1-Hybriden sind ertragreich und robust – müssen aber jedes Jahr neu gekauft werden.
    Gentechnisch verändertes Saatgut ist in Deutschland verboten.

Vielfalt macht stark

Abwechslung im Beet sorgt für gesunde Pflanzen und stabile Erträge.

Fruchtwechsel

Fruchtwechsel bedeutet den Wechsel verschiedener Gemüsearten von einem auf das andere Jahr.

Die Vier-Beete-Methode:

  1. Beet mit Starkzehrern

  2. Beet mit Mittelzehrern

  3. Beet mit Schwachzehrern

  4. Beet mit Gründüngung

Jedes Jahr wird rotiert, um Nährstoffe auszugleichen und Krankheiten vorzubeugen.

Fruchtfolge

Mit Fruchtfolge ist die Einteilung in Vor-, Haupt- und Nachkultur innerhalb eines Jahres gemeint. Beispiel für eine sinnvolle Fruchtfolge: Radieschen → Kartoffeln → Spinat – kurze, mittlere und lange Kulturzeiten hintereinander.

Schwebfliegenlarve-blatt-nützling

Wasser und Torf sparsam nutzen

  • Regenwasser sammeln und gezielt gießen – morgens oder abends, bodennah, selten, aber gründlich.

  • Torf vermeiden: Torfabbau setzt CO₂ frei. Torffreie Erden mit RAL-Gütezeichen sind umweltfreundliche Alternativen, erfordern aber häufigeres Nachgießen und Düngen.

Häufige Fehler im Bio-Garten

  • Fehlende Planung: Ein Beet- und Wettertagebuch hilft, Erfolge und Fehler nachzuvollziehen.

  • Ungezieltes Düngen: Auch Bio-Dünger können zu Nährstoffüberschüssen führen.

  • Falscher Zeitpunkt der Düngung: Kompost im Herbst kann Nährstoffe auswaschen.

Eine Doppelgrabegabel.

Tipps für mehr „Bio“ im Garten

  • Boden schonend lockern: mit Doppelgrabegabel statt Spaten.

  • Gezielt düngen: nach Analyse, nicht „auf Verdacht“.

  • Vielfalt statt Monotonie: Blühpflanzen und Kräuter fördern Insekten und schrecken Schädlinge ab.

„Ein vielfältiger Garten ist widerstandsfähiger, schöner – und macht einfach mehr Freude!“ sagt Ursel Kruse.

Die Gartenakademie gibt Rat

Gartentelefon: montags von 9-12 Uhr unter 04403 9838-11

E-Mail: gartenakademie@lwk-niedersachsen.de

Von Janine Schulze